Nein, das ist nicht so. Dennoch – seit über einem Jahrhundert kursiert dieser Mythos in unserer Gesellschaft.
Wenn man jedoch einmal darüber nachdenkt, erscheint diese Aussage schnell irrsinnig. Unser Gehirn verbraucht ca. 20 Prozent der Energie, die unser Körper benötigt. Bei einem Anteil von etwa 2 Prozent der Körpermasse ist das ziemlich viel. Eine Nutzung von gut 10 Prozent rentiert sich daher überhaupt nicht. Warum hätte sich das menschliche Gehirn dann überhaupt im Laufe der Evolution vergrößern sollen?
Ferner gibt es immer wieder Menschen, welche zum Beispiel durch Unfälle ihr Gehirn schädigen. Die meisten dieser Hirnschäden haben auch Folgen, darunter Lähmungen, Komas und Sprachstörungen. Laut der 10-Prozent-Behauptung müsste ein Großteil der Schädel-Hirn-Traumata keinerlei Wirkung haben; man benötige letztendlich ja nur einen Bruchteil des eigentlichen Organs.
Moderne bildgebende Verfahren der Gehirnströme widerlegen die These abermals. Funktionelle Magnetresonanztomographie, kurz fMRT, gilt als präzises Messwerkzeug für die Gehirnfunktion. Durchblutungsänderungen in Hirnarealen werden genutzt, um dadurch neuronale Aktivität festzustellen. Das fMRT-Gerät erzeugt ein sehr starkes Magnetfeld, welches die Protonen im menschlichen Körper entlang der Magnetfeldlinien ausrichtet. Wenn dann äußere Energie beigefügt wird, ändert sich das Energieniveau der Protonen im Körper. Nachdem erstere abgeschaltet wird, geben die Protonen Energie an ihre Umgebung ab, woraufhin durch eine Spule ein Signal gemessen werden kann und Computer diese Signale in Bilder umwandeln.
Sauerstoffreiches (oxygeniertes) und sauerstoffarmes (desoxygeniertes) Blut besitzen verschiedene magnetische Eigenschaften. Diesen Effekt macht sich die fMRT auch zu nutze. Hämoglobin, ein eisenhaltiges Protein im Blut, ist je nachdem, ob es Sauerstoff gebunden hat oder nicht, unterschiedlich magnetisch.
Erhöhte Aktivität der Neuronen ändert das Verhältnis von oxygeniertem und desoxygeniertem Hämoglobin im Blut; es gibt dann mehr oxygeniertes Hämoglobin, um die aktiven Zellen ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Sauerstoffarmes Hämoglobin ist magnetisch stärker als sauerstoffreiches. Das aktive Areal sendet also ein anderes Signal. Die Gehirnaktivität kann auf diese Weise durch das fMRT-Verfahren indirekt gemessen werden.
Maryam Bayani (11A), Chefredakteurin


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