In unserem kollektiven Gedächtnis ist fest verankert, dass Karotten die Sehkraft verbessern. Aber wie kam es dazu und stimmt das überhaupt?
Die Überzeugung geht auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück. Die Royal Air Force, die britischen Luftstreitkräfte, fanden so einen Weg, ihre Erfindung einer neuen Radartechnologie zu verheimlichen: der Mythos, dass Karotten das Sehvermögen im Dunkeln verbessern würden, war geboren.
Aber ganz falsch ist die Annahme nicht – Karotten enthalten sogenanntes Beta-Carotin, ein Provitamin (die Vorstufe eines Vitamins), das vom menschlichen Körper in der Leber oder Darmschleimhaut in Vitamin A umgewandelt wird. Vitamin A ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen, die unter anderem als zentral bedeutend für die Sehkraft gelten. Es trägt zusammen mit anderen Stoffen zum Schutz vor Augeninfektionen bei und ermöglicht insbesondere die Fähigkeit während der Dämmerung bzw. im Dunkeln zu sehen.
Vitamin A, das zudem für die Wachstumsprozesse vieler Zellen von Bedeutung ist, sorgt auch dafür, dass in der Netzhaut wichtige Pigmente gebildet werden können. Diese befinden sich in den Stäbchen sowie Zapfen und sind notwendig für die Aufnahme von Lichtreizen sowie dem Sehen von Farben.
Mängel kündigen sich zunächst durch eine verschlechterte Sicht im Dunkeln an. Eine in Nepal durchgeführte Studie wies nach, dass bei Probanden mit Vitamin-A-Defizit eine erhöhte Zufuhr zur Verringerung der Nachtblindheit geführt hat. Bei Studienteilnehmenden ohne Defizit wurde allerdings trotz erhöhtem Konsum keine Verbesserung des Sehvermögens festgestellt.
Karotten sind also – genau wie Spinat, Kürbisse und Aprikosen – gut für die Augengesundheit, sorgen aber nicht für eine bessere Sehkraft über das normale Maß hinaus.
Maryam Bayani (11A), Chefredakteurin

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